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15.3.2010 von Corinna Endlich.
Dokumentation einer außergewöhnlichen Skelett-Moorleiche
Moorleichen gibt es viele im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg; insgesamt sind es sechs Leichen sowie das Haarteil (mit Kopfhaut) eines weiteren Verstorbenen. Ausgestellt sind im Rahmen der Dauerausstellung „Weder See noch Land – Moor – eine verlorene Landschaft“ drei komplette Moorleichen, jenes Haarfragment und der Junge von Kayhausen als Röntgenbild.
Die Moorleiche aus der Esterweger Dose wurde am 27. Februar 1939 bei Torfarbeiten entdeckt und quasi als Knochenansammlung durch die Mitarbeiter des Moorgutes Sedelsberg geborgen. Nachdem sie ans Museum in Oldenburg gelangte – damals noch Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte – wurden fachkundige Untersuchungen an der Fundstelle durchgeführt. Diese ergaben keine weiteren Erkenntnisse – es stand fest: Man hatte ausschließlich Knochenreste eines Toten im Moor in Esterwegen gefunden; Nachweise für Weich- oder Gewebeteile bzw. Bänder des menschlichen Körpers gab es nicht.
Anthropologische Untersuchungen an dem Skelett ergaben schnell die Deutung einer etwa 1,50 m großen jungen Frau, verstorben im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Die Datierung erfolgte über die Pollenanalyse. Sie belegt ein Alter zwischen 800 und 1000 Jahren.
Um Forschungslücken zu schließen und möglichst allen „Altfunden“ die ganz eigene Biografie zurückzugeben, strebte das Landesmuseum Natur und Mensch eine Neubewertung dieser Moorleiche an. Im Frühjahr 2009 wurde sie daher dem Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg übergeben. Unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Klaus Püschel wurden dort osteologische Untersuchungen zur Knochendichte, zur Mikrostruktur der Knochen und zu den anatomischen Besonderheiten an der Moorleiche vorgenommen.
Hochauflösende, experimentelle radiologische Verfahren kamen zum Einsatz; genauer die etablierten Methoden der Kontaktdiographie, der peripheren quantitativen Computertomographie und der hochauflösenden dreidimensionalen Mikrocomputertomographie. Das Besondere, und das war natürlich für das Landemuseum von großer Wichtigkeit, an dem Vorgehen ist die Tatsache, dass das Skelett absolut störungsfrei, d. h. ohne Substanzverlust analysiert werden konnte. Alle Skelettanteile blieben vollständig intakt und konnten dennoch umfassend osteologisch untersucht werden!
Und im Ergebnis? Atemberaubende neue Erkenntnisse: Aus der Dame wurde ein männlicher Jugendlicher im Alter von bis zu 12 Jahren. Die Messung der Knochendichte der Arme lässt die Rechtshändigkeit der Moorleiche mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten. Hinzu kommt eine so genannte Immobilisations-Osteoporose, d. h. ein rechtsseitiger Knochendefekt der unteren Extremitäten, der Beine. Zusammen mit dem Befund der Hüftknochen ist von einer Gehbehinderung, einem starken Humpeln des Jungen zu Lebzeiten auszugehen. Datiert wird der Verstorbene nun in die Jahre zwischen 1046 – 1164; auch die Altersbestimmung wurde neu vorgenommen.
Das Leben im Mittelalter im ländlichen Umfeld war sicherlich für einen gesunden Menschen nicht immer ein Leichtes. Mit einer körperlichen Beeinträchtigung wie jener, die dieser Befind zeigt, wird der Alltag noch viel beschwerlicher ausgefallen sein. So verwundert es beinahe, dass die Knochenstruktur des Skeletts keinerlei Mangelversorgung erkennen lässt; der Junge wurde stets gut ernährt. Das lässt auf ein gutes Sozialgefüge im unmittelbaren Umfeld des Kindes schließen. Trotz – oder vielleicht ja sogar wegen – seiner Behinderung wurde dieser junge Mensch stets gut versorgt.
Die vorliegende Veröffentlichung fasst die Ergebnisse aller Untersuchungen zusammen und beinhaltet neben einer Einführung in die Fundgeschichte der Moorleiche und den Forschungsstand zu den Moorleichen des Museums im Allgemeinen anschauliche Erklärungen zu den einzelnen Disziplinen. Erhältlich ist dieser Band (ISBN 978-3-89995-702-0) – erschienen im Verlag Isensee in Oldenburg – zum Preis von 14,80 € im Museum sowie im Buchhandel.
Mit der Moorleiche aus der Esterweger Dose zeigt das Landesmuseum Natur und Mensch einmal mehr wie sehr der Einsatz interdisziplinärer Forschungen und moderner Techniken auch an „Altexponaten“ einen spannenden Erkenntnisgewinn bringt. Unabhängig von der Fundgeschichte und der Dauer der Archivierung der Objekte im Magazin des Museums kann es immer wieder zu neuen Ergebnissen in der Wissenschaft kommen, die das Haus im internationalen Vergleich zu einem attraktiven Kooperationspartner werden lassen.
von li.: Eilin Jopp, Prof. Dr. Klaus Püschel, Prof. Dr. Mamoun Fansa, Dr. Jan Pestka.
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9.3.2010 von Corinna Endlich.
Einladung zur Buchvorstellung
„Das Kind aus der Esterweger Dose“
Dokumentation einer außergewöhnlichen Skelett-Moorleiche
Zur Buchvorstellung laden wir Sie am
Mittwoch, 17. März 2010 um 11 Uhr
herzlich ins Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg ein.
„Es lag noch eine Leiche im Keller des Museums“, so könnte die Idee für die umfangreichen neuen Untersuchungen an der Moorleiche aus der Esterweger Dose im Scherz bezeichnet werden.
Der wissenschaftliche Ehrgeiz, auch dieser Leiche ein möglichst authentisches Profil zurückzugeben, das war der Anreiz für Prof. Dr. Mamoun Fansa. Gemeinsam mit zahlreichen interdisziplinären Fachkolleginnen und -kollegen konnte ein völlig neues Mosaik über diesen hochinteressanten Fund erstellt werden.
Diese nun erschienene Publikation beinhaltet alle Untersuchungsergebnisse z. B. der Rechtsmedizin, der Skelettbiologie, der Zahnmedizin oder der Radiologie. Auch neue Verfahren kamen hier zum Einsatz, wie die Röntgen-Fluoreszenz-Spektroskopie in Kooperation mit der University of Buffalo. Des Weiteren geht dieses Buch zudem auf die Forschungs- und Fundgeschichte dieser Moorleiche ein – diese zeigt einen spektakulären Werdegang von einer Frau zu einem männlichen Teenager.
Neben Herrn Prof. Dr. Mamoun Fansa nimmt Prof. Dr. Klaus Püschel vom Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf an der Buchvorstellung teil.
Sie können den Termin nicht wahrnehmen? Sprechen Sie uns bitte an, wir schicken Ihnen gern weitere Informationen. Sprechen Sie uns an, telefonisch unter obiger Rufnummer oder per Mail an: corinna.endlich@naturundmensch.de.
Die Skelettmoorleiche aus der Esterweger Dose.
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8.3.2010 von Corinna Endlich.
Von Entspannung bis Abenteuer
Lichtbildvortrag von Corinna Endlich M. A.
am Donnerstag, 11. März 2010 um 19:30 Uhr
im Landesmuseum Natur und Mensch
Angola – vielen als Land Afrikas bekannt, das lediglich durch Kriegberichte in die Medien gelangte. Doch Angola hat weit mehr zu bieten, das hat die Referentin auf ihrer fünfwöchigen Pressereise erfahren. Die Menschen, Städte, Landschaften und verschiedene Projekte der Welthungerhilfe stehen im Mittelpunkt dieses Vortrags. Es ist kein Urlaubsbericht, denn dieser Beitrag zeigt den Einsatz der Helfer und der Menschen vor Ort für den Aufbau der Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Leben.
Mit einem kleinen Abstecher in das Reiseland Namibia bietet dieser Vortrag außerdem atemberaubende Naturaufnahmen.
Der Vortrag findet im Rahmen des Schwerpunktthemas „Afrika“ der VHS Oldenburg statt.
VVK – 6,- € / AK – 7,- €
Besuch eines einheimischen Marktes in Angola.
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